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Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu
in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg, Berlin-Mitte
Fehrbelliner Str. 99
10119 Berlin-Prenzlauer Berg
Hofeingang: Schönhauser Allee 182

St. Adalbert-Kirche: Torstraße 168
10115 Berlin

Gedanken zum 9. November

Wir finden Orte in unserem Kiez, wo Menschen jüdischen Glaubens gelebt haben, wo sie sich wohl fühlten, zu Hause waren mit ihren Familien. Ein freundlicher Gruß, ein Schwätzchen mit den Nachbarn, Sangesschwester im Chor, Kegelbruder, Spiel und Schulkamerad, Helferin in mancher Not.

Aber sie haben auch erlebt wie die Vorhänge zugezogen, die Lichter gelöscht, die Köpfe zusammengesteckt und weggeschaut wurde, als die Stiefel trampelten, die Fäuste zuschlugen, die Gläser splitterten, die Flammen loderten. Ihre Schreie verhallten im Weghören der anderen.

Auch wir Christen haben weggeschaut, nicht hören und wahrhaben wollen.

Der Ruf von Bernhard Lichtenberg auf ein Hetzblatt gegen Juden: „Lasst euch von dieser unchristlichen Gesinnung nicht beirren, sondern handelt vielmehr nach dem strengen Gebot Jesu Christi: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!“ An vielen Kanzeln prallte dieser Ruf nicht nur ab, sondern von ihnen herab wurde vielmehr gefaselt von den Juden als den Mördern von Jesus.

Auch wir Christen haben uns schuldig gemacht, nicht nur in den Jahren der Nazi-Barbarei.

Auch schon lange davor haben wir das Volk Israel, das auserwählte Volk Gottes, verhetzt und erniedrigt. An über 30 Kirchen in Deutschland prangt noch immer die Judensau und auch hier in dieser Herz Jesu Kirche steht die Synagoga blind und verblendet auf verödetem Grund gegenüber der triumphierenden, strahlenden Eglesia.

Wir bekennen uns zu der Wirkungsgeschichte solcher furchtbarer Darstellungen. Sie nicht zu entfernen. Zu übermalen ist nur zu rechtfertigen, wenn sie uns Mahnung und Stachel im Fleisch ist: Nicht wegsehen, wenn Jüdinnen und Juden bedroht werden und Gewalt erleiden. Nicht weghören, wenn Hatespeech und Hetze ertönen.

Auch dafür finden wir aufrechte Vorbilder in unserem Kiez und in unseren Gemeinden. Dietrich Bonhoeffer in der Zionsgemeinde oder Margarete Sommer hier in Herz Jesu.

Und so ist es gutes Zeichen, dass wir als Herz Jesu Gemeinde uns mit unseren Geschwistern von St. Bonifatius, St. Hedwig, St. Michael und St. Marien Liebfrauen für Bernhard Lichtenberg als unseren Patron für unsere neue Pfarrei entschieden haben.

Das soll ein Zeichen sein: Von Zion und den Geschwistern am Weinberg wollen wir eine Brücke schlagen bis nach Kreuzberg für eine aufmerksame, aufrechte, aufgeklärte Verkündigung der frohen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus.

Autor: Dirk Pung-Jakobsen