Mail: pfarrbuero@herz-jesu-kirche.de, Tel: (030) 44 38 94 0, Fax: (030) 44 38 94 18
Katholische Pfarrei Herz Jesu
Fehrbelliner Str. 99
Hofeingang: Schönhauser Allee 182
10119 Berlin Mitte / Prenzlauer Berg

Sonntags Hl. Messe: 9:00 Uhr St. Adalbert-Kirche, 10:30 Uhr Herz-Jesu-Kirche

Grußwort Mai – Juni

Liebe Gemeinde,

ich freue mich, Ihnen in dieser Zeit, in der wir noch den österlichen Geist spüren können, auf diesem Weg zu schreiben. Mit Ostern beginnt in der Kirche eine weitere starke Zeit im liturgischen Kalender: die Zeit der Herrschaft des Heiligen Geistes, der alles erneuert. Es lohnt sich, den Heiligen Geist anzurufen, wenn wir Hilfe in unseren Schwächen brauchen. Er kann uns jederzeit beleben.

Ende Juni bin ich ein Jahr in Deutschland, und im Oktober habe ich die Funktion als Pfarrvikar angetreten, die mir Erzbischof Heiner Koch übertragen hat. Seitdem habe ich so viel Schönes mit Ihnen in der Gemeinde erlebt! Nicht überraschend gab es auch Unsicherheiten und Ungeschicklichkeiten. Und zweifellos wird es davon auch in Zukunft noch einige geben … Aber ich bedauere nicht im Geringsten, Gottes Ruf an diesen Ort gefolgt zu sein. Meine Begeisterung ist dieselbe, meine Freude ungetrübt und mein Wunsch unverändert, alles zu geben. Ich nutze diesen Anlass, allen zu danken, die mich unterstützen und ermuntern, aber mir auch sagen, was nicht geht. Es ist klar, dass ich diese Herausforderung ohne Sie nicht bewältigen kann. Auch deshalb wiederhole ich mein Angebot der Verfügbarkeit für Sie: kommen Sie zu mir, meine Tür steht Ihnen immer offen. Nur so kann ich weiter dazulernen und vor allem: Sie kennenlernen.

Schon fast ein Jahr – wie schnell die Zeit vergeht! Sie verrinnt unerbittlich, wie das Wasser in einem Fluss: scheinbar ist es immer dasselbe, aber es ist doch immer neues. Apropos Neues: Mein Vorgänger hat für den Jahresbrief 2017 den Titel gewählt: „Neue Wege gehen“. Das ist ein passendes Motto für ein von Neuerungen geprägtes Jahr. Eine davon war ein neuer Pfarrer und sie ging einher mit einigen Umstellungen – sowohl für Sie als auch für mich.

Aber es gibt eine grundlegendere Einladung für uns, die radikale Neuheit des Evangeliums und die Dynamik, die davon ausgeht, zu erfassen. Das ist kennzeichnend für unseren christlichen Glauben und unsere Hoffnung. Das Evangelium ruft uns zu einer Spiritualität des Weges. Das heißt, wir sind Pilger auf einem Weg (ins gelobte Land, zur Begegnung mit unserem göttlichen Schöpfer). Und es bedeutet, dass es immer einen Weg gibt, selbst aus Situationen, die uns völlig ausweglos erscheinen. Allerdings ist unser irdischer Pilgerweg nur möglich, wenn wir uns für Gottes Gabe der Gnade, die er jeden Tag erneuert, öffnen und sie annehmen. Das lehrt uns das dritte Kapitel des Buchs der Klagelieder in den Versen 22 bis 26: „Die Güte des HERRN hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist deine Treue, o Herr! Darum setze ich meine Hoffnung auf ihn, der HERR ist alles, was ich brauche. Denn der HERR ist gut zu dem, der ihm vertraut und ihn von ganzem Herzen sucht. Darum ist es das Beste, geduldig zu sein und auf die Hilfe des HERRN zu warten.“ Wenn wir die innere Haltung einnehmen, Gottes Güte zu empfangen, führt uns das in eine Logik der Erwartung, einer vertrauenden und geduldigen Erwartung der Zeit Gottes, in der er seine Verheißungen erfüllt. Eine frohe Erwartung, denn Er, der uns gerecht macht, ist gut und treu.

Auf dem Weg zu sein, und warten zu können … Diese Dynamik bedeutet, sich nicht auf dem Erreichten und den Lorbeeren auszuruhen, so angenehm Gewohnheiten und Gewissheiten auch sind. Im Gegenteil, es geht nicht nur darum den Blick zu weiten, sondern auch ins Weite hinaus zu fahren (Lk 5,4). Es geht darum so wie Paulus das Ziel vor Augen zu haben (Phil 3,14): Jesus Christus, Alpha und Omega unseres Glaubens, Er, dem wir begegnen können. Es geht darum, zuzulassen, dass Gott uns überrascht, das bedeutet, dass wir uns für das Unerwartete öffnen, das von Gott kommt. Mit seinem Sohn ist Gott am Werk in der Welt und lädt uns zu vertrauender Erwartung ein, so wie Wachposten der Hoffnung. Gott hält seine Versprechen, so wie er es dem Propheten Habakuk offenbart hat: „Was ich dir in dieser Vision sage, das schreibe in deutlicher Schrift auf Tafeln nieder! Jeder, der vorübergeht, soll es lesen können. Denn was ich dir jetzt offenbare, wird nicht sofort eintreffen, sondern erst zur festgesetzten Zeit. Aber es wird sich ganz bestimmt erfüllen, darauf kannst du dich verlassen. Warte geduldig, selbst wenn es noch eine Weile dauert!“ (Hab 2, 2-3).

Auch Maria zeigt uns den Weg. Anfangs war sie sehr mit dem „Wie“ beschäftigt und ließ sich vom Reflex der Logik und Vernunft leiten. Doch dann hat sie sich auf ihren Glauben besonnen und ihr „fiat“ gegeben („Dein Wille geschehe“). Das ist das Geheimnis und der Schlüssel für unser Abenteuer mit Gott: eine vertrauende Zustimmung und Gefolgschaft, die dem Heiligen Geist immer mehr Raum gibt. Denn die Wege Gottes entziehen sich unserem Verstand.

Morgen ist ein neuer Tag, der mit Gottes Gegenwart und Segensversprechen erfüllt ist. Die Dynamik der vertrauenden und frohen Erwartung erinnert mich an den Lauf der Jahreszeiten, den ich seit meiner Rückkehr nach Europa wieder entdecke. Während der harschen Wintermonate waren wir alle in froher Erwartung der ersten Anzeichen des Frühlings. Dann brachte der Frühling seine warmen und frohen Stunden, die uns zum Sommer führen. So geht es jedes Jahr. Die Jahreszeiten wechseln in ewiger Beständigkeit und in ständiger Erneuerung. Wie hart der Winter auch ist, der Frühling kommt, das Wetter wird warm, das Leben nimmt seinen Lauf. Alles wird neu. Das ist ein schönes Gleichnis für unseren Glauben und unsere Hoffnung. Das ist die frohe österliche Botschaft. Auf dass sie weiter unsere Herzen erwärme, wie ein Vorgeschmack des Sommers, der kommt. Amen!                                                                                                           Ihr Pater Serge Armand, CN