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Katholische Pfarrei Herz Jesu
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Sonntags Hl. Messe: 9:00 Uhr St. Adalbert-Kirche, 10:30 Uhr Herz-Jesu-Kirche

Predigt von Sonntag, den 5. Juli 2015

Liebe Brüder und Schwestern,
Was bedeutet dies, dass Jesus ausgerechnet in seiner Heimat auf Unverständnis stößt? Kann diese historische Tatsache uns etwas auf unserem Glaubensweg zeigen? Jesus Wundertäter. Sein Ruhm bis Nazareth angekommen. Seine Rede Vorort beeindruckt: Form und Inhalt sind da, Relevanz und Überzeugung, ungewöhnlicher Selbstbewusstsein bei Themen die doch dem Gott Israels angeht, der in der dunklen Wolke kommt, der in den höchsten Himmel wohnt und auf ewig den Menschen ein Rätsel bleibt. Jesus ist als Prophet aufgetreten.
Wie kommt es, dass er keinen Empfang nach seinen Maßen findet? „Sie glaubten nicht an ihn.“ Jesus bleibt der Sohn des Zimmermanns für die meisten Nazarener. Eine Erwartung ist enttäuscht, oder: aus der Ecke kann doch nichts wirklich Großes kommen.
Nur aus späteren Quellen kann man einige Hypothesen aufstellen zu den Gründen, die in seiner Heimat zur Ablehnung Jesu als Prophet geführt haben. Es hat eine verbreitete Lehre bei den Pharisäern gegeben, dass seit Malachia, also seit ca. 3 Jahrhunderten, kein Prophet mehr in Israel aufgetreten ist. Die Periode der Propheten sei eigentlich mit dem letzten der 12 kleinen Propheten abgeschlossen. Offensichtlich passt Jesus nicht in dieser Schublade. Eine andere Hypothese: wieder aus der Erbe der Pharisäer weiß man, wie wichtig die Auslegung, ja das Studium der Tora in Israel war. Jesus hat vielleicht den gewohnten Muster gesprengt.
Wer ist er eigentlich? Anscheinend ist für die Nazarener diese Frage vorschnell beantwortet worden. Im Markus Evangelium ist sie aber ein Leitmotiv der Erzählung. Erst nach einem langen Weg in seiner Lebensschule spricht Petrus das entscheidende Bekenntnis: „Du bist der Messias (Christus), der Sohn des lebendigen Gottes“. Bis dahin war die Frage unter den Jüngern noch völlig offen. Es geht ja nicht um Ahnenforschung, sondern um Mission, um Sendung, um die Art und Weise, wie eine bestimmte Person vor Gott steht. Jesus selber, nach dem Zeugnis viagra des Evangelisten Markus, hatte seine göttliche Identität sorgfältig im Halbdunkel gelassen.
Merken wir vielleicht, dass wir auch bei der Frage: Wer ist Jesus, auf das Glaubensbekenntnis zurückgreifen? Oft genug merken wir aber auch: wir mögen vielleicht den Text auswendig Sonntag für Sonntag sprechen, dennoch ändert dieses Bekenntnis nicht unbedingt vieles in unserem Leben. Wenn es bei uns so aussieht, dann ist der Anspruch Jesu damals auf ein „mehr“ Glauben auch für uns gültig. Jesus lädt uns nicht nur, unser Wissen über Gott zu mehren; er seht sich danach, uns zusammen mit ihm zu Gott zu führen. Er möchte selber der Weg für uns sein-Weg zum Himmel, Leiter zum Himmel wodurch die Kommunikation mit Gott dem Vater ganz neu wieder erstellt wird (Das Motiv finden wir im Johannesevangelium in dem Bericht über die Begegnung von Nathanael mit Jesus). Es geht, liebe Brüder und Schwestern, um Wachstum im Glauben, um Vertiefung der persönlichen Beziehung zu Jesus. Es ist auch eine Freude für uns Priester, sowie für andere die in der Gemeinde sich für die Verkündigung des Evangeliums (also des Glaubens) einsetzen, wenn wir im laufe der Jahre in den Familien oder bei den Singles den Glauben wachsen sehen. Ein wichtiges Zeichen des lebendigen Glaubens ist, wenn eine Familie zusammen betet-natürlich sind Kinder in der Regel dafür empfänglicher wenn sie jung sind, als wenn sie in der Pubertät sie sich von den Eltern gerne distanzieren möchten.
Jesus mit neuen Augen sehen: anscheinend misslang dieses Unterfangen bei diesem Besuch Jesu in seiner Heimat. Vielleicht sollen wir auch bei uns selber schauen, wie es bei diesem Aspekt steht. Denken wir vielleicht : „Ich kenne Gott!“-“Ich brauche nichts Neues über ihn kennen!“? Jesus ist zugleich nahe, er möchte in unsere Herzen wohnen und wir begegnen ihm in jedem Sakrament-dennoch bleibt uns sein Geheimnis nie völlig enthüllt-bis wir ihn unverhüllt in seiner Herrlichkeit beschauen können, so lehrt uns der Apostel Paulus. Jesus hat selber in seinem Lobpreisgebet gesagt: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater.“ Ein hier und jetzt Jesus kennen schließt also auf keiner Art und Weise eine Vertiefung aus. Mehr noch: nach der Etappe des anfänglichen Glaubens geht nicht mehr um die Frage, ob er überhaupt existiert hat (das ist eine Frage des Wissens)-es geht darum, so Paulus im Philipperbrief, ihn als der Auferstandene zu kennen und die Gemeinschaft mit seinem Leiden zu erfahren. Anders gesagt: Jesu Worte die alle uns klar wie Kristall sein würden könnte er dann wirklich der Mensch sein, der uns Gottes Geheimnisse uns mitteilt? Oder wenn seine Offenbarung uns nie herausfordern würde: könnte sie aus Gott stammen? Mir scheint unsere existenzielle Lage eher so zu sein, dass wir Schritt für Schritt den Weg des Glaubens gehen, wo wir mit Fragen wie solche ringen: wo kann ich Jesus in meinem Alltag begegnen? Wo mache ich die Erfahrung, dass er lebt und leben, Gnade, Vergebung schenkt, Gebete erhört, ja kleine und große Wunder wirkt? Wie kann ich seine Worte verstehen, umsetzen, so dass sie mir Kraft und Orientierung schenken? Letztlich kann die Jesus-frage (die Frage nach seiner Identität) nicht bloß mit einer Formel beantwortet werden, weil wir, als Gläubige, zu einer Ebenbildlichkeit mit ihm berufen sind. (Römer 8).
Kommen wir zurück nach Nazareth. Jesus wird nach dem Bericht des Markus Nazareth verlassen, der Weg wird weiter gehen, nach Jerusalem, zum Tod am Kreuz und zur Auferstehung und Himmelfahrt. Ab dann und auch jetzt ist überall den Ort zu finden, wo wir Jesus Worte und Zeichen in unseren Herzen bewegen können. Uns ist Jesus im Glauben wirklich angeboten. In seinen Worten, im Sakrament. Als Licht, als Leben. Als Meister, als Freund, als Gott. „Jesus ist der Weg, den ich gehen will, das Leben, dass ich leben will, der Friede, den ich weitergeben will.“ (Mutter Teresa). In dieser Eucharistie können wir um die Gnade der persönlichen, liebevollen Beziehung mit ihm beten. Amen.