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Katholische Pfarrei Herz Jesu
Herz-Jesu-Kirche: Fehrbelliner Str. 99, Hofeingang: Schönhauser Allee 182, 10119 Berlin Mitte / Prenzlauer Berg
St. Adalbert-Kirche: Torstraße 168, 10119 Berlin

Sonntags Hl. Messe:
09:00 Uhr St. Adalbert-Kirche,
10:30 Uhr Herz-Jesu-Kirche,
19:00 Uhr St. Adalbert-Kirche

Osternacht

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? – fragen die Frauen, die zum Grab Jesu gekommen sind. Dies fragen sie vor dem Grab. Aber eine ähnliche Frage stellte die Menschheit schon vor Christus: Wer könnte uns den Stein vom Ausgang des Grabes wegwälzen? Wer könnte uns herausholen?
Liebe Schwestern und Brüder, Christus hat den Stein des Todes überwunden, er hat ihn weggewälzt, Christus ist auferstanden!
Der große Philosoph der Antike Platon hat den Zustand des menschlichen Lebens mit einem Gefangensein in einer Höhle verglichen. Man sitzt in einer dunklen Höhle, vor einer Wand; man kann sich nicht umdrehen. Das Einzige was man sieht, sind die Schatten auf der Wand; die Schatten, die auf die weit entfernte Realität und auf das Licht hinter uns hinweisen. Man sitzt also in einem Loch und sieht nur die Schatten.
Zu Weihnachten könnten wir sagen: Christus bringt das Licht in diese Höhle. Zu Ostern sagen wir aber: Jesus holt uns aus dieser Höhle heraus! Er holt uns heraus aus der Höhle der Unsicherheit, der Angst, der Dunkelheit, des Todes.
Was wir in der heutigen Nacht feiern – die Auferstehung Jesu Christi ist etwas, was wir nicht erklären können. Wir können das auch nicht so richtig erzählen. Es ist keine solide Philosophie, menschliche Weisheit, Fortschritt oder Gewissheit. Wir können die Auferstehung Jesu aber glauben, besingen, bekennen, dafür danken, uns freuen, lieben. Der lebende Christus bewegt und berührt unser Herz.
Jesus erfüllt unsere tiefste Hoffnung und die Sehnsucht, nämlich lieben zu können und zwar so sehr, dass man aus Liebe stirbt und doch lebt. In Christus können wir wegen der Liebe sterben und trotz des Todes doch leben. Das Leben ist gut, weil man mehr lieben kann, als das Leben! Die Liebe Jesu hat ihn ans Kreuz geführt, die Liebe des Vaters hat ihn aber aus dem Grab heraus geholt. Die Liebe des Vaters holt uns auch aus unseren Gräbern heraus.
Und so ist die Auferstehung nicht nur ein Ereignis, das vor 2000 Jahren statt gefunden hat, sondern sie hat eine Bedeutung für uns heute und ist auch eine starke Verheißung für unsere Zukunft. Für die Kinder vergleicht man das manchmal mit einer Raupe, die zu einem Schmetterling wird. Wir Christen sind gerade dabei, Schmetterlinge zu werden, aber nicht dadurch, dass wir uns verbessern und anstrengen, sondern dass wir auf Gott hören und uns von ihm verwandeln lassen. Der Apostel Paulus sagt: Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Jesus holt aus unseren Gräbern heraus, aber nicht nur, damit das Leben iregdwie weiter geht, sondern er gibt unserem Leben eine neue Kraft und Qualität.
Die Botschaft der Auferstehung ist: schone dich nicht, liebe! Du brauchst nicht alles zu kontrollieren, dich nicht gegen alles zu versichern, jede Gefahr, Verletzung und Verlust um jeden Preis zu vermeiden, dich anstrengen und von anderen abgrenzen. Jesus ist Dir in Liebe vorausgegangen und er lebt in Ewigkeit! Schone Dich also nicht!
Schone Dich nicht! Das könnten wir auch zur Osterkerze sagen. Sie steht in der Mitte als Zeichen für Christus. Er hat sich nicht geschont (deswegen lieben wir ihn), er ist das Opferlamm geworden. So schenkt auch die Osterkerze das Licht dadurch, dass sie sich opfert. Die Osterkerze leuchtet, indem sie sich selber verbrennt. Sie gibt Licht, indem sie sich selber gibt (Benedikt XVI, Osternacht 2012). So ist sie auch ein Vorbild und eine Ermutigung für uns. Wir sollen uns auch nicht schonen. Es geht natürlich nicht darum, unvernünftig auszubrennen, sondern vor allem von der Kraft des Heiligen Geistes zu leben. Im Buch des Propheten Ezechiel heißt es: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
Liebe Schwestern und Brüder, die Auferstehung Jesu verändert unser Leben. Das ist durch den Glauben und durch die Taufe, dass die Kraft Gottes, die Kraft der Auferstehung, die Kraft der Liebe in unsere Herzen eintritt. Durch den Glauben und durch die Taufe. An dem Glauben an die Auferstehung entscheidet es sich, ob Jesus für uns nur in der Vergangenheit da gewesen ist, oder ob er für uns heute da ist. Was die Taufe angeht, sie ist etwas ganz anderes als ein Akt kirchlicher Sozialisierung, als eine etwas altmodische und umständliche Form, Menschen in die Kirche aufzunehmen. Sie ist auch mehr als eine bloße Abwaschung, als eine Art seelischer Reinigung und Verschönerung. Sie ist wirklich Tod und Auferstehung, Wiedergeburt, Umbruch in ein neues Leben hinein (Benedikt XVI, Osternacht 2006).
Wenn wir Gott in uns wirken lassen, wird er uns verwandeln. Wollen wir das? Wollen wir das wirklich? Man hat den hl. Maximilian Kolbe (der sein Leben in einem KZ für einen Familienvater geopfert hat) einmal gefragt: was ist das Schwierigste am Heiligwerden. Er hat geantwortet: Zu wollen.
Ostern oder Taufe ist also kein Fest, nach dem alles so ist, wie es vorher und immer schon war. Ostern ist kein Fest der Ostereier, sondern ein Fest der reellen Neuheit in Gott!
Das können wir unseren Täuflingen wünschen. So können wir auch unsere Taufe und unseren Glauben erneuern, wenn wir gleich das Taufversprechen erneuern. Es soll liebe Schwestern und Brüder ein bewusster Akt sein. Man muss nicht alle Fragen um die Absage und um den Glauben beantworten. Nur, wenn man das will und glaubt. Aber wenn wir unser Taufversprechen bewusst und ganz erneuern, dann lasst uns denken: Gott, ich gebe Dir mein Herz. Nimm das Herz von Stein, und gib mir das Herz von Fleisch. Ich will, dass Du mich aus meinem Grab herausholst – heute schon und nach meinem leiblichen Tod. Ich will, dass Du mich verwandelst.
Wenn ich will, dann will Gott umso mehr. Er nimmt uns sehr ernst und will auch von uns ernst genommen werden, in der heutigen Nacht und in unserem Alltag.
In dieser Nacht also, in der wir die Auferstehung Jesu feiern,
lasst uns liebe Schwestern und Brüder
eine Wirklichkeit zulassen, die wir nicht sehen;
die wir nicht beweisen können,
auf die wir vielleicht auch nicht so wirklich hoffen.
Lasst uns Hoffnung zulassen, die Freude gibt,
lasst uns in unseren Gedanken zulassen,
dass das Leben schöner ist, als das, was mir meine Erfahrung sagt.
Jesus ist auferstanden, Halleluja!