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Katholische Pfarrei Herz Jesu
Herz-Jesu-Kirche: Fehrbelliner Str. 99, Hofeingang: Schönhauser Allee 182, 10119 Berlin Mitte / Prenzlauer Berg
St. Adalbert-Kirche: Torstraße 168, 10119 Berlin

Sonntags Hl. Messe:
09:00 Uhr St. Adalbert-Kirche,
10:30 Uhr Herz-Jesu-Kirche,
19:00 Uhr St. Adalbert-Kirche

Karfreitag

Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben.  (…) Seht, da ist der Mensch!
Das Wort Gottes und die heutige Liturgie laden uns in dieser Stunde ein zum Schauen und zum Schweigen. Was man den Königen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun. (…) oder: Jetzt setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen vor ihm verstummen.
Wir werden das Kreuz enthüllen und da werden wir den Sohn Gottes in einer Haltung sehen, die wir nicht erwarten und selber nie freiwillig annehmen würden: Jesus am Kreuz, Gott am Kreuz.
In den letzten Wochen haben wir über den Flugzeugabsturz von Germanwings gestaunt. Das Schweigen war oft die erste Reaktion. Zunächst, nachdem wir die Aufnahmen von dem in den Bergen zerstückelten Flieger sahen und dann nach der Nachricht, dass die Katastrophe absichtlich herbei geführt wurde. Da haben wir gestaunt und waren sprachlos.
Wir wissen, dass eine schwedische Fußballmannschaft ihre Reisepläne sehr kurzfristig verändert hatte. Der Sportdirektor der Mannschaft erzählte nach dem Absturz: „Wir hätten eigentlich an Bord dieses Flugzeugs sein sollen. Es gab vier Flugzeuge, die etwa zur gleichen Zeit abhoben und nördlich die Alpen überquerten. In drei von ihnen saßen Spieler von uns. Man kann sagen, dass wir sehr, sehr viel Glück hatten.“
Nicht viele hatten so ein Glück. Keiner hätte diesen Flug genommen, wenn er gewusst hätte, dass er mit einer Katastrophe und mit dem Tod endet.
An einem Karfreitag dürfen wir sagen, dass Jesus diesen Flug nicht vermieden hätte. Durch sein Kreuz ist er in jede menschliche Katastrophe und in jeden Tod hineingegangen. Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.
Warum dürfen wir vermuten, dass Jesus diesen tödlichen Flug genommen hätte? Weil es das ist, was am Karfreitag geschehen ist. Jesus musste nicht sterben. Doch freiwillig hat er sich aus Liebe zu uns ausgeliefert und ist für uns gestorben. Er ist sozusagen wissentlich und willentlich in so einen Flieger eingestiegen, um jeden Menschen in seinem unberechenbaren Schicksal bis zum Tod zu begleiten. Wo wir ausgestiegen wären, da wäre Jesus eingestiegen.
Warum? Warum ist Jesus gestorben? Was heißt es, dass er für uns gestorben ist? Jesus ist für uns gestorben, um solidarisch zu sein mit den Leidenden aller Orte und aller Zeiten. Er ist gestorben, um vergeben zu können. Letzten Endes darf nur das Opfer vergeben – und so musste auch Jesus Opfer werden. Nicht zuletzt ist Jesus für uns gestorben, um in jeder Situation gesagt haben zu können: Vater, ich liebe Dich; Vater, ich vertraue Dir. Jesus am Kreuz befähigt uns dazu, Gott in jeder Lebenslage ein treues und liebendes Kind zu bleiben. Wenn wir das Kreuz Jesu in die Mitte unseres Lebens stellen, da kann uns nichts im Leben überwältigen: kein Leid und keine Einsamkeit.
Aber, wenn wir noch mal an diese Germanwings Katastrophe denken, wäre es nicht besser gewesen, die Katastrophe zu verhindern?
Wer weiß, wie viele Katastrophen Gott heute in der Welt verhindert… Aber er kann und will nicht, dem Menschen seine Freiheit ganz wegnehmen. So sehr respektiert Gott unsere Freiheit, dass er die Hölle zulässt. Und gleichzeitig steigt er selbst in den Tod, in die Hölle hinab, um uns daraus herauszuführen, wenn wir nur um seine Rettung bitten.
Wenn wir heute auf das Kreuz Jesu schauen oder uns vorstellen, dass Jesus aus Liebe heraus bereit wäre, mit den Opfern der Germwanwings Katastrophe zu sterben, sehen wir, dass der Preis seiner Liebe, der Preis des Heils enorm war! Vor der übergroßen Liebe Gottes sollen wir seine Liebe annehmen.
Zunächst dürfen wir uns bewusst werden, dass Jesus mit jedem unserem Leiden solidarisch ist, dass er Mitleid hat, dass er weiß, wie sich das anfühlt.
Wir können und sollen auch seine Vergebung im Sakrament der Versöhnung annehmen. Wir sind Sünder. Vielleicht würden wir selbst nie einen Flieger zur Katastrophe führen. Aber wie oft ist uns unser eigenes Vorhaben wichtiger, als 150 Menschen in unserer Umgebung? Wie oft möchten wir unvergessen bleiben? Wie oft wollen wir unseren Egoismus willentlich und wissentlich oder auch unbewusst bedienen? Dank sei Jesus, dass er, Opfer unserer Sünden, uns vergeben will.
Wir können schließlich auch um die andere Gnade des Kreuzes bitten und sie empfangen: um die Fähigkeit, in jeder Lage Gott und die Menschen zu lieben, unabhängig von den Umständen.
Schauen wir also heute das Kreuz Jesu schweigend an mit Liebe, Bewunderung und Dankbarkeit. Er weiß, wohin unsere Reise führt, er kennt ihre Gefahren und ihr Ende. Wenn wir sein Kreuz, seine Kraft und die Vergebung in unser Leben aufnehmen, so werden wir selbst in größter Not von seiner Liebe und Gegenwart getragen. Wenn wir ihn um Vergebung bitten, so werden wir die Vergebung und den Frieden finden. Wie die erste Lesung sagt: Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht, er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.