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Katholische Pfarrei Herz Jesu
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Sonntags Hl. Messe: 9:00 Uhr St. Adalbert-Kirche, 10:30 Uhr Herz-Jesu-Kirche

Predigt Gründonnerstag 2015

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gäste,

Mit der großen Freiheit die wir hierzulande genießen, sind auch die eigenen Verantwortungen und die Ängste in unserer Gemeinschaft gestiegen. Menschen suchen Halt in Familie, in Beruf, im Freundeskreis. Gerade die Hoffnungen auf einen Halt sind oft enttäuscht durch die Realität. Ist jeder dazu verdammt, auf sich und sein kleines Überlebensboot mit wenigen, die darin Platz finden, bis zum Lebensende zurückgeworfen zu sein? In Jesus Christus gibt es eine Antwort. Wo Menschen ihren Weg im Leben suchen, sich nach Liebe, Sinn und Etwas sehnen, das fortdauern und erfüllen kann, wo Menschen eine Quelle, eine Herde, einen Brennpunkt, wo die Liebe brennt, suchen -. da ist die Eucharistie. Da ist das Herrenmahl. In der Eucharistie ist Jesus gegenwärtig als Gabe für uns und als Opfergabe an Gott dem Vater für unser Heil. In der Eucharistie kommt das Wir der Kirche zustande.

In der Lesung hören wir Jesu Worte:

Das (dieses ausgeteilte Brot) ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Es gibt eine Feier des Herrenmahls die Jesus verrät, das ist die Feier die vom Egoismus der Mitfeiernden in ihrer Wirklichkeit, und in ihrer Wirkung behindert ist, weil die Bruderliebe konkret fehlt. Das kritisierte Paulus damals in Korinth. Umgekehrt fordert die Feier der Eucharistie, uns an Jesus immer wieder zu orientieren, in seinem Sinn und Vorbild zu leben, kurz: aus der Eucharistie unser Tun zu denken und zu gestalten.

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Dieser Imperativ des Herrn im Hier und Jetzt zu hören, heißt Jesus Christus in seinen Zeichen, im Sakrament der Eucharistie zu empfangen. Das ist mein Leib für euch.

Den Herrn beim Wort nehmen bedeutet, dass unser Glauben an die göttliche Gabe der Eucharistie gefordert wird. Das Wunder des Kommens des Herrn durch und in den Elementen, der Wandlung, ist ein großes Wunder der kraftvollen Liebe Gottes, das sich einreiht in die Linie der Menschwerdung Gottes und der Auferstehung Christi.

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Im Blick auf die Probleme der Gemeinde in Korinth, wo es schwierig war für Große und Kleine einen gleichen Platz zu finden, sind wir aufgefordert, in unseren Gottesdiensten den gleichen Platz den Armen, den Neuen, den Fremden, den Personen mit Behinderung und anderen Leidenden zu geben, wie den gesunden, respektablen Alteingesessenen. In Jesus Gedächtnis zu feiern heißt auch verwirklichen, dass der „Große“ der Diener der anderen sein soll; dass die Ämter in der Kirche und die Rollen im Gottesdienst sich an die Dienerschaft Christi orientieren sollen, und das betrifft die Priester, die Diakone, die Ministranten, die Lektoren, die Kantoren, die Musiker, usw…

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Somit fordert uns Christus heute, die Einheit in der Gemeinde zu erstreben. Einander kennenlernen, wertschätzen, helfen, unsere Unterschiedlichkeit als Gabe weniger als Hürde zu sehen. Auf den Anderen immer vorrangig als Geschöpf Gottes und als Miterlöster zu blicken. Ein besonderer Segen ruht auf eine Gemeinde, die Parteiungen überwindet und die geschwisterliche Liebe lebt. Gründonnerstag feiern wir die Geburtstunde der Kirche als Familie Gottes!

Vor dem sich hinschenkenden Christus in jeder Eucharistie nimmt jeden Sonntag der jetzige Zustand der Kirche, unserer Gemeinschaft, die ihre geschichtlichen Spaltungen noch nicht überwunden hat, einen ärgerlichen Charakter an. Die Uneinheit der Christen, das Fortdauern von Kirchen, die in wichtigen Punkten anders denken, handeln, und unversöhnt nebeneinander wirken, ist ein Skandal, der den Willen des Herrn widerspricht. Heute können wir neu beten für die Einheit der Christen, wie der Herr sie will, auf die Art und Weise wie er sie will. Heute können wir an alle Konfessionen oder Patriarchate denken, die wir kennen, und sie schon als unsere Gemeinde in Liebe ansehen.

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Das heißt aus der Liebe Christi leben, eine Liebe, die sich keineswegs an der Kirchentür aufhalten kann. Für andere als Brot, Wein, Salz da zu sein im Mitten des Alltags, in Familie, Beruf, in der WG, bei den Nachbarn, unter Freunde, im Ehrenamt oder Projekt, in der Freizeit, in einem gesellschaftlichen Engagement. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!

Die Eucharistie ist das Opfer des neuen Bundes, das die Kirche vereint mit Christus dem Vater, zum Dank und zur Ehre seines Namens und zur Erlösung der Welt. Daher sind wir aufgefordert, unseren Alltag als Opfer mit dem Opfer Christi am Altar zu bringen – und uns daran im Trubel, in den Freuden wie in den Schwierigkeiten des Alltags zu erinnern. Gerade in den Jahren wo wir hundert Jahre des Ersten Weltkrieges gedenken, können wir die Kraft der Eucharistie bewundern, aber auch die Grenzen, die wir Menschen ihrer Wirkung zur Einheit der Menschen gesetzt haben. Auf beiden Seiten der Schützengräben von der Schweiz bis zum Nordmeer wurden 4 Jahre lang Katholische Messen und Evangelische Abendmahle gefeiert. Es ist tragisch, wenn Christen gegeneinander Krieg führen. Heute können wir an die Ukraine denken sowie an vielen Orten der Welt die unter Krieg und Waffengewalt leiden und beten, dass die Welt den Frieden empfängt, indem jeder sich dem Friedensfürst hinwendet.

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Das Volk Israel in der Wüste, von Gottes Mannabrot gespeist, die Jünger im Abendmahlssaal, die große Mischung aus unterschiedlichsten Leuten in Korinth, die zeigen uns alle, dass das Gebot des Herrn nicht für Helden und Starke gedacht ist, sondern wirklich für alle. Wir sollen bedenken was es bedeutet, dass Alte, Kranke, von Demenz heimgesuchten, und Personen mit Behinderung die gleiche Kommunion empfangen wie die Jungen und die Gesunden. Es zeigt, dass der wahre Reichtum in der Begegnung liegt; im Geben und Empfangen; dass Liebe bedeutet, einander Zeit zu schenken, Dienst zu tun, Zärtlichkeit zu geben. Eine Familie, die zusammen in die Messe geht, da kann auch was passieren! Jede Gemeinschaft wird gestärkt und geheiligt durch die Eucharistie, weil Jesus sie eint. „Jesus in die Mitte“ sagte oft Chiara Lubich. Wir haben noch nicht die Herausforderung erblickt, die aus dem Gedächtnis Jesu hergeht, wenn wir die Eucharistie erleben als ein „Jesus für mich allein“. Mit seinem Wort Tut dies zu meinem Gedächtnis! Kommt auch noch das Wort aus den Reden beim letzen Abendmahl: „So wie ich euch geliebt habe, liebt einander!“. Wenn wir ausgerechnet vor, während oder nach der Messe uns schwach und ohnmächtig fühlen, lasst uns auf die Kraft des Herrn vertrauen und in diesem Mangel in der Bitte ausharren, bis es dem Herrn gefällt, unsere Leere mit seiner Fülle zu erfüllen. Die Fülle, die aus seiner Gegenwart kommt.

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Die Aufforderung des Herrn Heute hören, lädt dazu ein, sein Leben für etwas Großes hinzugeben, sowie er es getan hat. Im Namen Christi sich rufen und senden lassen. Es heißt, nicht warten, bis wir vollkommen sind, sondern aus dem Mund Jesu Worte hören, die mit seinem ganz persönlichen liebenden Anblicken begleitet sind, wie „Liebe mich so wie du bist“ oder „mir dürstet nach deiner Liebe.“ In dem Sinne sind Eucharistie und Taufe eng verbunden. In beiden wird aktuell das Geheimnis des Todes und der Auferstehung, in das wir eintreten sollen. Das Osterlamm wird geschlachtet und lebt; Das Volk Israel läuft mitten im Meer und ertrinkt nicht, sondern geht lebendig und gläubig heraus. Der Weizenkorn fällt in die Erde, stirbt und bringt eine reiche Frucht der Liebe.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gäste, bitten wir um die Gnade, unsere Herzen ganz für das wirksame Geheimnis der Eucharistie zu öffnen. Unsere bevorzugte Beteiligung sei das Essen und Trinken von den Gaben des Herrn in seinem Mahl, wenn wir unser Herz für ihn in der Fastenzeit bereitet haben; lasst uns aber nicht die Möglichkeit der geistigen Kommunion vergessen. Bitten wir um die Gnade, in diesen Tagen ganz bei Jesus zu sein und zu bleiben, auf ihn zu blicken. Ihn in unseren Herzen zu tragen. Er sei die Nummer 1 in unserem Leben. Amen.