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Katholische Pfarrei Herz Jesu
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Predigt zu Pfingstsonntag

Biblische Texte die zitiert wurden: Apostelgeschichte 2,1-11; Galaterbrief 5,22-23

Wir haben gerade die Lesung aus der Apostelgeschichte gehört: wie das alles anfing, das christliche Pfingsten. Pfuhl! Das hat aber ganz schön bewegt! Sowohl die, die im Haus waren- die 12 Apostel mit der Jungfrau Maria und mit anderen zusammen versammelt- wie auch die frommen Juden aus allen Teilen der damals bekannten Welt, die beim hören einer mächtigen Stimme da strömen und vor dem Haus sich versammeln. Das hat alle so sehr bewegt, dass wir zu Pfingsten die Geburtsstunden der Weltkirche Feiern. Kirche in aller Welt, viel Glück und viel Segen! Deine Kraft hast du nicht aus dir selbst. Sie ist Dir von Gott durch den Auferstandenen Jesus Christus im Heiligen Geist geschenkt. Er wacht dich auf, er schenkt dir Be-geisterung und neue Kräfte, er leitet dich durch die Jahrhunderte! Und wir können wir uns nach 2000 Jahren noch über diese Selbstoffenbarung Gottes in Jerusalem freuen- ein Feuerwerk des Lobpreises Gottes in vielen verschiedenen Sprachen.

Lasst uns in Gedanken noch kurz diesem Ereignis nahe sein. Durch das Kommen des Heiligen Geistes über und in den Jüngern Jesu erfüllt sich seine Verheißung, dass sie im Heiligen Geist getauft werden würden,- und dass sie, durch die Kraft des Geistes, der ab dann in ihnen wohnt, die Zeugen der Auferstehung Jesu in Jerusalem, in Israel und auf der ganzen Erde sein werden. Gleich nach unserer Bibelstelle erzählt der Autor, Lukas, von der beseelten Rede des Apostels Petrus an die Menge, worauf 3000 Personen sich zu Christus bekehren. Nun: wie hat der Alltag der Jünger und der neuen Christen ausgesehen? Ich bin ziemlich sicher, dass sie nicht jeden Tag auf dem emotionalen und sprachlichen „High“ des Pfingsttags geblieben sind. Dennoch haben sie aus dem Heiligen Geist gelebt. Wie das im Alltag aussieht, davon gibt uns der Apostel Paulus im Galaterbrief einen kurzen Einblick. Das ist unsere 2. Lesung.

22Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,23Sanftmut und Selbstbeherrschung;

Durch das Bild des Frucht lässt Paulus uns erkennen, dass die Frucht des Geistes einfach langsam wächst und reif. Dennoch ist sein Erscheinen deutlich. Anders gesagt: wenn wir wirklich Jesus Christus in unserem Leben einlassen und offen sind für das Wirken seines Geistes, da passiert schon was in unserem Leben! Es wachsen wirklich die einen oder anderen Tugenden und Gaben des Geistes:

Nächsten- und Gottesliebe, Freude, innere Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glauben,23Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Nun ist es wichtig, auch den Weg zu erkennen und zu gehen, der zum Empfang der Gaben des Geistes führt. Da gibt es keine Tricks, keine Zauberei, kein Hokus Pokus, da gibt es auch nichts zu kaufen. Paulus zeigt den Weg im Römerbrief, als er schreibt:

Ich schäme mich nicht des Evangeliums; es ist eine Kraft Gottes zur Rettung jeden, der glaubt. (Römerbrief, 1,16) Noch expliziter versichert er im 10. Kapitel: Wenn du in deinem Herzen glaubst, dass Jesus der Herr ist, und wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet (Römerbrief, 10,9). Kein anderer als Jesus Christus selber ist derjenige, der im Heiligen Geist tauft, der den Heiligen Geist, der vom Vater kommt, seinen Jüngern und Freunde schenkt. Diesen Weg des Glaubens an Gott durch Jesus Christus gilt es zu gehen; der Heilige Geist führt uns diesen Weg und gibt uns die Kraft und die Freude dafür. Das ist der ideale Alltag.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gäste, es kann uns geschenkt sein, dass auch wir unseren eigenen Pfingstereignis erleben: ein ganz spürbares herabkommen des Heiligen Geistes über uns. Wenn das geschieht, wie es für die katholische Studentengemeinde in Duquesne University in 1967 während ihre Einkehrtage geschah, und wie für Scharen von Christen davor und seitdem, sollen wir total froh und dankbar sein! Und uns nicht wundern, wenn wir irgendwann die Talfahrt erleben, wenn der Alltag wieder ganz unspektakulär verläuft. Die Eindrücke, die mit der Erfahrung der Liebe Gottes durch das Kommen des Heiligen Geistes in uns verbunden sind, können nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Das Feuerwerk hat stattgefunden! Ja- und was, wenn wir eine solche markante Erfahrung des Heiligen Geistes nicht gemacht haben, oder wenn sie uns nicht bewusst ist? Meine Vermutung ist, dass die Kirche zu Pfingsten die große Offenbarung des Heiligen Geistes damals verkündet und daran erinnert, damit die Sehnsucht nach dem Heiligen Geist in den Gläubigen wächst! Paulus selbst hat den Korinther geschrieben: Strebt nach den Geistesgaben! (1 Korintherbrief, 12,31).

Wichtig scheint mir, dass wir eine offene innere Haltung dem Heiligen Geist gegenüber pflegen. Wir sollen ihn niemals in sein Wirken in unserem Leben beschränken noch unterschätzen. Der Heilige Geist ist Gott, er ist der Meister der Überraschungen in unserem Leben. Davon ist das Buch der Apostelgeschichte mit erlebten Beispielen voll. Wir können ihn anrufen, wir dürfen ihn mit Sehnsucht „begehren“. Aber im Wissen, dass der königliche Weg zu Gott über Jesus Christus, seine Worte, seine Gemeinschaft die Kirche, geht.

Wichtig ist auch für uns, die Zeichen des schon gegebenen Heiligen Geistes in unserem Leben zu erkennen. Die Liste der Früchte des Geistes, die ich zitiert habe, ist sehr hilfreich für unsere Entscheidungsfindung im Alltag. Hat diese oder jene Entscheidung zu einem Zuwachs an Liebe- Geduld- Glaube- geführt? Oder zum Gegenteil? Diese Erkenntnis hilft uns enorm, die Wege Gottes ganz konkret in unserem Leben zu gehen, und die Wege, wo wir nur versucht werden und uns und die anderen mit uns verlieren, zu verlassen. Diese geistige Tätigkeit ist auch eine Gabe des Geistes: es ist die Unterscheidung der Geister.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gäste, lasst uns dem Heiligen Geist vertrauen! Was würden wir Heute antworten zu der Frage: „Liebst du den Heiligen Geist?“- Lasst uns Zweifel und Misstrauen in die Barmherzigkeit Gottes werfen und das Kommen des Heiligen Geistes für uns und für die Kirche und für die Welt erbitten: Komm, Heiliger Geist!